Die Anfänge (Vorgeschichte und Organisation der Spiele)
"Von der halben Welt verfemt, von der anderen Hälfte ohne Liebe respektiert, im geteilten eigenen Land zerstritten, rüsten
Der Ferrari-Fahrer Daume, Erbe einer Eisengießerei und künftiger "Krawattenmann des Jahres 1966", sah nach dieser Niederlage für die bundesdeutsche Sportpolitik nur zwei Möglichkeiten: Entweder den ganzen olympischen Krempel hinzuschmeißen – oder eine Bewerbung der Bundesrepublik um die nächsten Olympischen Sommerspiele. Er entschied sich für die letztere Alternative und dachte dabei sofort an die bayerische Landeshauptstadt.
Am 28. Oktober 1965 betrat er mit einer Krokodilledertasche in der Hand im Münchner Rathaus das langgestreckte, holzgetäfelte Amtszimmer des Oberbürgermeisters. Dr. Hans-Jochen Vogel, noch völlig ahnungslos, begrüßte seinen Gast mit der leicht hingeworfenen Frage: „Und was bringen Sie, Herr Daume?” Die Antwort war kurz und bündig: „Die Olympischen Sommerspiele 1972.” Daume erläuterte dem verblüfften Stadtoberhaupt seine Idee: Im IOC seien nach der Entscheidung von Madrid viele bereit, nun etwas für die Bundesrepublik zu tun, gemäß dem Motto: ‘Dem Osten die Mannschaft, dem Westen die Spiele’. Die Aussichten, die Olympischen Spiele ins eigene Land zu holen, seien deshalb gut, aber in Frage komme dafür nur München. Vogels Einwand, München besitze praktisch keinerlei Anlagen für eine derartige Veranstaltung, parierte Daume mit der Feststellung, dies sei eher ein Vorteil, weil dem IOC neue Stadien lieber seien als alte.
Dem Oberbürgermeister wurde rasch klar, dass München damit eine große Chance geboten wurde. Im Falle eines Erfolges würde auf die Stadt zwar eine sechsjährige Periode enormer Belastungen zukommen. Auch würde sie stärker in das Blickfeld der Welt und damit der politischen Spannungsfelder rücken und dabei zumindest vorübergehend wieder getroffen werden von den Schatten einer unglücklichen Vergangenheit während der Zeit des Nationalsozialismus. Aber weit schwerer wog die Aussicht, in einem kurzen Zeitraum und mit einem festen Fertigstellungstermin vor Augen große neue Anlagen zu schaffen, die die Stadt längst brauchte, und andere Baumaßnahmen – wie etwa die U- und die S-Bahn – entscheidend zu beschleunigen. Und der Stadt würden, vor allem von Bund und Land, Mittel und Kräfte zufließen, die auf anderem Wege und aus einem anderen Anlass gar nicht mobil gemacht werden könnten. Zweifellos würden Spiele in München eine zusätzliche Schubkraft für die Entwicklung der Stadt bringen.
Nun konnte mit den Planungen für das große Sportfest begonnen werden, das mit seinem Austragungskonzept und dem Leitmotiv der bescheidenen "Spiele der kurzen Wege" und "Olympia im Grünen" in enger Verbindung mit dem kulturellen Leben und dem Alltagsleben der Stadt die IOC-Mitglieder überzeugt hatte. Am 19. Mai 1966 beschloss das NOK der Bundesrepublik in Kassel die Gründung des "Organisationskomitees der XX. Olympischen Spiele München 1972 e.V." (OK), das sich am 3. Juli 1966 im Münchner Rathaus konstituierte. Das Generalsekretariat nahm am 1. Januar 1967 seine Arbeit auf. Zum Generalsekretär wurde der Düsseldorfer Rechtsanwalt Herbert Kunze, zum ständigen stellvertretenden Generalsekretär der bayerische Ministerialrat Hermann Reichart berufen.