Die Anfänge (Vorgeschichte und Organisation der Spiele)

Olympischer Kostenboom: Die Finanzierung der Spiele

 

 

 

Bewerbungsmodell 1966
NOK-Vizepräsident Max Danz hatte im Jahr 1966 erklärt: „Wir müssen maßhalten, nichts überbewerten, und nicht in Versuchung geraten, die größten und bombastischsten Spiele veranstalten zu wollen.” Der Kostenvoranschlag aus demselben Jahr ging von einem Gesamtbetrag in Höhe von 520 Millionen Mark aus. Das unspektakuläre Modell des Olympiastadions, mit dem sich München beim IOC beworben hatte (siehe Foto rechts), wurde im Lauf der Zeit mehrfach verändert, und je weiter die Planungen für das "Unternehmen Olympia" voranschritten, um so teurer wurde das Ganze, bis man schließlich im Oktober 1971 einen Gesamtetat von knapp zwei Milliarden DM erreicht hatte und die von Willi Daume angekündigten Spiele des "menschlichen Maßes" zu den bis dahin teuersten gerieten, die es je gegeben hatte. Olympia-Pressechef Hans Klein über die olympische Kostenexplosion: „Das ist, wie wenn sich einer für 60 Mark einen Anzug kaufen will, mit seiner Statur aber keinen von der Stange kriegt und sich halt dann vom Schneider einen Maßanzug für 680 Mark machen lässt.”

 

Vor der Bewerbung schon war vereinbart worden, dass Bund, Land und Stadt je ein Drittel der Investitionskosten tragen, während das Organisationskomitee seinen Aufwand voll aus eigenen Einnahmen decken sollte. 1969 entschloss sich der Bund, seinen Anteil auf 50 Prozent zu erhöhen; die Quoten für Land und Stadt sanken damit auf je 25 Prozent. Das bedeutete für München eine erhebliche Entlastung. Besonders ergiebig für die Organisatoren der Spiele erwies sich eine Reihe von sogenannten ‘unkonventionellen Finanzierungsmethoden’ wie die Herausgabe eines Zehn-DM-Stückes mit Olympia-Emblem, die Olympia-Lotterie und die GlücksSpirale. Sie und die normalen Einnahmen des Organisationskomitees erbrachten die gewaltige Summe von rund 1,28 Milliarden DM. Den öffentlichen Händen – und damit den Steuerzahlern – verblieb somit nur rund ein Drittel der gesamten Kosten.

 

An den Kosten für das riesige Zeltdach (der Bund der Steuerzahler bezeichnete es als "verschwenderischste Inspiration der Welt") erhitzten sich die Gemüter: Die Millionen, die das Dach kostete, sind jedoch nicht vom Steuerzahler, sondern von den Sammlern der Zehn-DM-Stücke in aller Welt gekommen und wären ohne Olympische Spiele gar nicht zur Verfügung gestanden. Hans-Jochen Vogel erklärte hierzu im Jahr 1972: „Ich habe von Anfang an für die Errichtung des Zeltdachs gestimmt und würde das auch heute jederzeit wieder tun. Denn eine Gesellschaft muss auch einmal die Kraft und den Mut aufbringen, einen großen Betrag aufzuwenden für ein im engen Sinne zweckfreies Vorhaben, für ein architektonisches Kunstwerk. Ohne das wären viele große Bauwerke, die wir heute mit Stolz zu den unverzichtbaren Bestandteilen menschlicher Kultur zählen, nicht entstanden. Mich hat immer die Hoffnung getragen, mit Hilfe des Zeltdaches werde es gelingen, den Spannungen, Erwartungen und Empfindungen unserer Zeit einen adäquaten und überzeugenden architektonischen Ausdruck zu geben.”

 

Linkpfeil Aufsichtsratssitzung der Olympia-Baugesellschaft (Flash-Video)