Die Anfänge (Vorgeschichte und Organisation der Spiele)

Olympia in TV und Radio: Das Deutsche Olympia-Zentrum (DOZ)

 

 

 

ARD Olympiastudio 5
Im Mai 1968 wurde von ARD und ZDF das Deutsche Olympia-Zentrum (DOZ) mit Sitz in München gegründet. Als Geschäftsführer wurde Robert Lembke, Moderator der TV-Quizsendung "Was bin ich?", eingesetzt, "Weltregie" führte der NDR-Sportredakteur Horst Seifart. Das DOZ hatte während der Spiele eine Besatzung von 2.328 Mann und wurde von einem kompletten Fernmeldebataillon der Bundeswehr unterstützt. Mit Hilfe von über 1.200 Kilometern Kabel und vier Satelliten fanden die ersten totalen "Fernsehspiele" in der olympischen Geschichte statt – und in der Bundesrepublik begann der Siegeszug des Farbfernsehens, in dessen Genuss im Jahr 1972 erst zehn Prozent der bundesdeutschen Haushalte (2,2 Millionen) gelangten.

 

Die von 150 Farbkameras eingefangenen Bilder wurden von ARD und ZDF im täglichen Wechsel ausgestrahlt – rund 230 Stunden Sport von 8.50 Uhr morgens bis 0.30 Uhr in der Nacht. Um flexibel auf die Wünsche der Rundfunkstationen aus aller Welt reagieren zu können, wurden vom DOZ neben dem "Weltprogramm" (das nur die USA, Großbritannien, Japan und die Bundesrepublik durch ein zusätzliches eigenes Programm ergänzten) täglich bis zu 2.000 Sonderschaltungen zur Verfügung gestellt. Sämtliche Live-Übertragungen, die nicht im Weltprogramm zu sehen waren, wurden von 84 Ampex-Maschinen magnetisch aufgezeichnet und zum Abruf bereitgestellt.

 

Linkpfeil Deutsches Olympia-Zentrum (DOZ): TV-Intro (Flash-Video)

 

Das DOZ hatte einen beträchtlichen Einfluss auf die Gestaltung der Spiele: Nach Anregungen der DOZ-Delegation wurde die Eröffnungsfeier auf 15.00 Uhr festgesetzt, damit sie rund um den Erdball zu halbwegs empfangsgünstiger Zeit (New York: 9.00 Uhr, Tokio: 23.00 Uhr) live ausgestrahlt werden konnte. Die spannendsten Disziplinen wurden nach den Grundsätzen einer effektiven Dramaturgie über das 16-Tage-Programm verteilt und die Entscheidungs-Termine derart entzerrt, dass möglichst viele Schlusskämpfe live übertragen werden konnten. Laut Robert Lembke sollten bei der Entscheidung über den Olympia-Zeitplan sportliche Aspekte Vorrang vor nationalen haben. Ebenfalls nach Wünschen des DOZ wurde das Zeltdach auf dem Oberwiesenfeld mit dem optimal lichtdurchlässigen Acryl-Glas gedeckt, um bei Farbaufnahmen störende Helligkeitsdifferenzen zu vermeiden.

 

Linkpfeil Elektronische Zeitmessung (Flash-Video)

 

Linkpfeil Interview der ARD-Olympiawelle mit Robert Lembke (26. August 1972)

 

Die Aufgabenteilung zwischen DOZ und OK sah wie folgt aus: Das DOZ übernahm die gesamte technische TV-Installation für die Spiele und brauchte deshalb für Fernsehsendungen innerhalb der Bundesrepublik keine Lizenzgebühren an das OK zu zahlen. Das OK seinerseits verwaltete die Fernsehrechte und zog die Lizenzgebühren für die TV-Übertragungsrechte ein. Ein Viertel dieser Lizenzgebühren erhielt das IOC. Die höchste Einzellizenz mit 13,5 Millionen Dollar bezahlte die kommerzielle amerikanische Fernsehgesellschaft ABC, die dafür als einziger ausländischer Sender eigene Kamerateams zu den olympischen Wettkampfstätten schicken durfte. Frei von Lizenzkosten blieben die 78 Hörfunk-Stationen aus aller Welt, die während der Olympiade live berichteten. Der Bayerische Rundfunk hatte eine Olympiawelle eingerichtet, die täglich von 6 Uhr bis Mitternacht sendete und der alle ARD-Sender angeschlossen waren.

 

Linkpfeil Joachim Fuchsberger: DOZ-Reportage (Flash-Video)

 

Linkpfeil Beginn der Hörfunk-Sendung der ARD-Olympiawelle (27. August 1972) (MP3-Datei)