Die olympische Tragödie (Das Attentat)

"Ein Schock, wie es noch keinen gab": Internationale Kommentare

 

 

Life
George Habbash (PFLP-Führer): "Diese Aktion ist nicht gescheitert; ich nenne sie gelungen. Ich nenne sie einen Triumph Palästinas. Ich hoffe, dass dieser Triumph Nachhall findet. Nicht allein in der arabischen Welt, auch anderswo. Das ist ein Signal gewesen. Der Kampf beginnt erst."

 

Kamal Adwan (Mitglied im Politbüro der Al-Fatah): "In München sind die Palästinenser, Verdammte dieser Erde, Kinder eines weltweiten Unrechts, in das Fest der anständigen und gut genährten Leute eingedrungen. Sie haben gefordert, mit ihnen von gleich zu gleich über die Bedingungen ihres eigenen Lebens oder Todes und über Tod und Leben ihrer Gefangenen zu diskutieren. Diese Verhandlungen hätten zu einer Lösung führen können. Israel wollte davon aber nichts wissen. Angeblich, weil man sich keiner Erpressung beugen dürfte, in Wirklichkeit aber, weil es für die Zionisten gar keine Palästinenser gibt und nie gegeben hat."

 

Haaretz (Israel): "Unsere Mannschaft ging nach München unter der Voraussetzung, dass das Gastgeberland für ihre Sicherheit sorgen würde, wie es auch für die Sicherheit aller anderen Teilnehmer dieser riesigen internationalen Versammlung eintreten würde. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Die Verantwortung dafür liegt bei den westdeutschen Behörden."

 

Davar (Israel): "Krieg bis zum Ende gegen diese Mordorganisation, ihre Mitglieder, Helfershelfer und Auftraggeber, wo immer sie sein mögen. Wenn die arabischen Staaten jetzt nicht die Terroristenstützpunkte innerhalb ihrer Grenzen beseitigen, dann wird Israel diese Aufgabe übernehmen."

 

Maariv (Israel): "Das Attentat ist eine Demonstation des wahren Gesichts derjenigen arabischen 'Kämpfer', mit denen die Bundesrepublik Deutschland, die die Spiele organisierte, sich versöhnt und ihnen große Unterstützung und Anleihen gewährt. Die Wurzeln für alle diese Verbrechen befinden sich neben unseren Grenzen. Wer imstande und verpflichtet ist, diese Wurzeln auszumerzen – das ist Israel."

 

Al-Moharrer (Libanon): "Die öffentliche Meinung ist schon immer gegen die Araber gewesen, ohne deren Standpunkt in dem Disput mit Israel auch nur in Betracht zu ziehen."

 

Egyptian Gazette (Ägypten): "Der Angriff von München ist nur einer von vielen. Die Welt kann diese Angriffe als Verbrechen bezeichnen, sie muss aber damit rechnen, dass sie so lange fortgesetzt werden, bis die Palästinenser ihre Rechte wiedererlangt haben."

 

Mohammed Heikal (Herausgeber der Zeitung "Al-Ahram", Ägypten): "Gewisse extremistische Organisationen sind nicht auf der Höhe der Zeit. Sie sprechen von Revolution in einem traditionellen Sinne, ohne zu berücksichtigen, dass sich viele Dinge geändert haben."

 

Büro der arabischen Liga (Bonn): "Die Liga missbilligt jede Art von Terrorakten und betont, dass die Araber solche Akte ablehnen und nicht mit ihnen identifiziert werden können."

 

New York Times (USA): "Der mörderische Angriff in München hat neue Tiefen der Kriminalität ausgelotet. Wenn die Olympischen Spiele zur Bühne für die Entladung ihres mordgierigen Hasses werden konnten, dann hängt diese gleiche Bedrohung über den Treffen der Vereinten Nationen und allen anderen internationalen Versammlungen, die einberufen werden, um Frieden und Freundschaft unter den Nationen zu fördern."

 

Daily News (USA): "Das Blutvergießen befleckt auch die Hände sogenannter verantwortlicher arabischer Führer, ungeachtet der frommen Beteuerungen ihres Zorns über die olympische Tragödie. In Kairo und anderen arabischen Hauptstädten wurden diese tierischen Menschen unterstützt, gehegt, entschuldigt, beschützt, verteidigt und sogar geehrt. Wenn jetzt wahrer Zorn hinter ihren Worten steckt, können die arabischen Nationen dies nur beweisen, wenn sie die besessenen Mördergruppen vernichten, die sie mitgeschaffen haben."

 

Le Monde (Frankreich): "Indem es die Olympischen Spiele, aus denen die Westdeutschen ein Musterbeispiel an Organisation, Sicherheit und Gastfreundschaft machen wollten, zum Drama macht, stellt das Attentat für die Bonner Regierungskoalition drei Monate vor den Wahlen einen schweren Schlag dar."

 

Le Figaro (Frankreich): "In unserer Zeit sind es nicht mehr die Spiele, die die Kriege unterbrechen, sondern die Kriege unterbrechen die Spiele."

 

La Nation (Frankreich): "So grauenhaft die von den Palästinensern begangenen Taten fast überall in der Welt sind, man muss einsehen, dass diese Gewalt nichts tut, als sich gegen eine andere Form von Gewalt aufzulehnen: die schreiende Ungerechtigkeit. Denn ihre Opfer schreien. Und das seit langer Zeit. Aber ihr Schrei verhallte in der Wüste. Jetzt schlagen sie zu. Scheußlich? Ja. Aber so geht es, wenn die Schwäche verhöhnt wird, wenn die Großmächte und sogar die eigenen Brüder eines verlassenen Volkes vor der Wahrheit die Augen verschließen."

 

Il Messagero (Italien): "Das Blutbad von München ist ein Schock, wie es noch keinen gab."

 

La Stampa (Italien): "Diese Olympiade war zu schön, um wahr zu werden."

 

Osservatore Romano (Vatikanstadt): "Die Bundesrepublik Deutschland, bemüht um die große Weltfeier, wurde in ungerechtfertigter Weise in ihrer tadellosen Gastfreundschaft verletzt."

 

Italienischer Staatsrundfunk: "Es ist ein überaus bitterer Preis, den die Deutschen gerade dafür bezahlen müssen, dass sie sich vom alten Klischee lösen wollten, dass sie ihre Grundeinstellung entmilitarisierten und die Kontrollen im Olympischen Dorf vielleicht etwas zu weich, locker und herzlich handhabten."

 

Sankei (Japan): "Die deutsche Polizei hat grob fahrlässig gehandelt. Die Katastrophe von München ist ein Schmutzfleck auch für die bevorstehenden deutschen Wahlen."

 

National-Zeitung (Schweiz): "'The Games must go on', sagte Herr Brundage. Aber die Spiele sind bereits zu Ende, gestorben. Weitergeführt werden lediglich die Wettkämpfe ... Mit den Spielen der XX. Olympiade ist eine Epoche zu Ende gegangen."

 

ADN (DDR-Nachrichtenagentur): "Aus Teilnehmerkreisen in München, darunter auch von Seiten der US-Mannschaft, hat es schon in den vergangenen Tagen Kritik daran gegeben, dass die Behörden der BRD nicht alles Erforderliche für den Schutz und die Sicherheit der Sportler getan haben. Offizielle Kreise in der Hauptstadt der DDR verurteilen das verabscheuungswürdige Verbrechen auf das Allerschärfste. Die DDR lehnt den Terror als Mittel zur Erreichung politischer Ziele entschieden ab. Solche terroristischen Aktionen schaden auch der olympischen Bewegung."

 

Neues Deutschland (DDR): "Das Verbrechen, das im Olympischen Dorf in München geschah, ist ebenso schauderhaft wie sinnlos. Mit ihrer Untat haben die Terroristen nicht zuletzt den mit uns freundschaftlich verbundenen arabischen Staaten schweren Schaden zugefügt."

 

"Rote Armee Fraktion" (RAF): "Mit seiner Aktion im Olympischen Dorf hat er [der "Schwarze September"] den nur scheinbar lokalen Konflikt zwischen der imperialistischen Metropole Israel und Palästinensern von der Peripherie des Systems ins Zentrum getragen – hat er die Charaktermasken des »Rechtsstaats« Bundesrepublik gezwungen, abzuschminken und als das aufzutreten, was alle Charaktermasken des Imperialismus objektiv sind: kriegsführende Partei gegenüber den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt – letzten Endes: Ausrottungsstrategen und Faschisten. (...) An der Aktion des "Schwarzen September" in München gibt es nichts mißzuverstehen. Sie haben Geiseln genommen von einem Volk, das ihnen gegenüber Ausrottungspolitik betreibt. Sie haben ihr Leben eingesetzt, um ihre Genossen zu befreien. Sie wollten nicht töten. Sie haben ihr Ultimatum mehr als aufgeschoben. Sie haben angesichts der unnachgiebigen Haltung Israels vorgeschlagen, die israelischen Geiseln als Gefangene zu behalten. Die israelischen Geiseln waren mit diesem Ausweg einverstanden. Sie sind von den deutschen Behörden genauso getäuscht worden wie die Revolutionäre. Die deutsche Polizei hat die Revolutionäre und die Geiseln massakert."

 

Richard Nixon (US-Präsident): "Ich bin tief empört."

 

Kurt Waldheim (UN-Generalsekretär): "Ich bin über den heimtückischen Akt gegen die israelischen Sportler im Olympischen Dorf tief bestürzt. Die Tat ist um so empörender, weil sie bei den Olympischen Spielen verübt wurde, einem der ältesten und vornehmsten Versuche, die Verständigung und Aussöhnung unter den Völkern zu fördern."

 

Franz-Josef Strauß (CSU-Vorsitzender): "Die für die Sicherheit Verantwortlichen müssen sich sagen lassen, dass ihr verständliches Bemühen, die Sicherheitsvorkehrungen bei den Spielen nicht allzu sichtbar werden zu lassen, leider fehl am Platz war."

 

Time
Walter Scheel (Bundesaußenminister): "Der Überfall auf israelische Teilnehmer an den Olympischen Spielen in München durch palästinensische Extremisten wird nicht nur vom Deutschen Volk, sondern von allen Menschen in der Welt verurteilt. Dieser Anschlag auf den olympischen Frieden dient niemandem, sondern ist nur geeignet, der Sache derer, die sich solcher Gewaltmethoden bedienen, schwersten Schaden zuzufügen. Unser ganzes Mitgefühl gilt den Opfern dieser verbrecherischen Aktion."

 

Willy Brandt (Bundeskanzler): "Ich bin entsetzt über dieses abscheuliche Verbrechen."

 

Gustav Heinemann (Bundespräsident): "Der olympischen Idee des friedlichen sportlichen Wettbewerbs unter den Völkern ist schwerer Schaden zugefügt worden."

 

Hermann Wöhrle (Ordnungsbeauftragter des OK): "Der tragische Zwischenfall im Olympischen Dorf hat meines Erachtens alles zerstört. Nichts ist geblieben von der heiteren Atmosphäre des Anfangs. Unser Ordnungsdienst, der ein Teil des Konzepts der "heiteren Spiele" war, ist aus dieser Sicht ad absurdum geführt worden."

 

Willi Daume (OK-Präsident): "Sie haben uns die Seele aus dem Leib geschossen."

 

Henri Nannen (Kommentar in der Zeitschrift "Stern"): "Die Bundesrepublik befindet sich im Krieg. Mit den arabischen Terroristen und mit den Regierungen jener Länder, in denen sie ihre Mordpläne ungehindert aushecken können. Wer einwendet, es gebe keine Kriegserklärung, der wird vielleicht warten wollen, bis demnächst neue Geiseln genommen werden, um den drei Politgangstern zur Freiheit zu verhelfen."

 

Thilo Koch (Kommentar in der Tagesschau am 6. September 1972): "Diese arabischen Terroristen haben die zivilisierte Welt in einen Belagerungszustand versetzt. Es muss, meine ich, eine internationale Jagd auf die Banditen gemacht werden, und es ist den Israelis nicht zu verdenken, wenn sie jetzt Vergeltungsschläge planen und demnächst ausführen."

 

Linkpfeil Kommentar der Münchner Abendzeitung (6. September 1972)

 

PDF Erklärung der "Rote Armee Fraktion" RAF (November 1972) (PDF-Datei, 157 KB)

 

 

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