Münchens legendäre Sternstunde (Die Eröffnungsfeier)
ABC (US-Rundfunkstation): "Welch ein heiteres bayerisches Picknick!"
Daily News (USA): "'Flower Power' verkündeten die Münchner Kinder – sie sind der Geist der Münchner Spiele, der Geist eines neu erstandenen Deutschland."
Davar (Israel): "Das Auftreten einer israelischen Mannschaft in München, der Geburtsstätte der Nazi-Bewegung, ist ein Symbol für die historische Wandlung."
Jerusalem Post (Israel): "Beim Einmarsch der israelischen Mannschaft ertönte eine der lautesten und längsten Beifallskundgebungen. Die israelische Mannschaft war etwas überrascht über die extreme Wärme der Begrüßung."
Svenska Dagbladet (Schweden): "Eine lächelnde und fröhliche Eröffnung der Olympischen Spiele. Alles war froh und farbensprühend, das Programm war wohltuend frei von Perfektionismus und politischer Propaganda."
Dagens Nyheter (Schweden): "Unangenehm fiel die Gruppe von ein paar hundert Touristen aus Ostdeutschland auf, die Visum und Flaggen erhalten hatten, um dorthin zu reisen, frenetisch ihre Fahnen beim Einzug jeder Ostblock-Mannschaft schwenkten – aber alle anderen ohne Gruß ließen."
Corriere della Sera (Italien): "Es war ein Schauspiel der Brüderlichkeit und Heiterkeit. Hauml;tte es noch eines Beweises bedurft, dass sich die Deutschen gewandelt haben, das Stadion in München hat ihn geliefert."
Il Messagero (Italien): "Ein grandioses Schauspiel!"
L' Aurore (Frankreich): "Die erste Goldmedaille für die Deutschen! Ja, sie würden sie verdienen, weil sie uns am Samstag das wunderbarste Schauspiel gezeigt haben, von dem man für die Eröffnung der Olympischen Spiele träumen kann. Präsident Gustav Heinemann und Kanzler Willy Brandt hatten allen Grund, ihre Genugtuung auszudrücken und diesen Erfolg mit Genuss zu kosten."
Journal du Dimanche (Frankreich): "Der olympische Aufmarsch bleibt eines der schönsten Schauspiele der Welt. Das von München verfehlte nicht die Tradition. Vergessen Tokio, vergessen Mexiko. Wir wurden in ein anderes Jahrhundert projiziert."
La Suisse (Schweiz): "Die Organisatoren haben ein Wunder vollbracht."
Neue Zürcher Nachrichten (Schweiz): "München zelebrierte 1972 einen Olympia-Auftakt, der krass von jenem der Berliner Spiele von 1936 abstach. Preußen fand nicht statt, dafür schien die Sonne zu mild und warm, Kurt Edelhagens und anderer Musik war zu differenziert, um richtig Schritt zu diszipliniertem Marsch zu fassen. Die Weihestunde Olympias mit den nach klassischem Ritual zelebrierten Höhepunkten, dem Entzünden des olympischen Feuers und dem olympischen Gelöbnis, geriet nicht zum Rührstück... Die Deutschen hielten, was man von ihnen erwartete. Die Eröffnungsfeier verdiente sich von A bis Z die Wertung: Perfekt."
Sonntagsblick (Schweiz): "Bravo, das war wirklich eine Olympiade der Fröhlichkeit."
Sunday Telegraph (England): "Die Deutschen inszenierten die Veranstaltung in fehlerloser Präzision. Dennoch leuchtete das Informelle klar durch."
The Observer (England): "Wie gut die Bayern das alles gemacht haben. Keine Spur von Militarismus, nichts Bombastisches, keine feierliche germanische Erhabenheit."
Sunday Mirror (England): "Vielleicht wird München eines Tages in die Geschichte eingehen als der Ort, wo die Welt des Sports sich besann und aufschrie: Genug. Stop. Halt. Schluss. Die Stadt hatte einfache Spiele versprochen. Die Organisatoren wollten Olympia wieder auf die Erde zurückholen, sie menschlich und überschaubar gestalten. Doch im deutschen Charakter ist etwas, das wir oft bewundern, gelegentlich aber auch weniger sympathisch finden: Es ist der Zwang, neue Standards zu setzen. So können sie sich jetzt zurücklehnen, alles betrachten, was sie da gebaut und auf die Beine gestellt haben, und sagen: "Nun versucht mal, uns zu schlagen." – in der sicheren Gewissheit, dass es keiner kann."
Dimanche Presse (Belgien): "Grandios. Wie ein prächtiger Regenbogen ging am Samstagnachmittag der Vorhang über dem farbenfreudigsten Spektakel der Welt in München hoch. Der Gott des Sports ist persönlich herabgestiegen."
Neues Deutschland (DDR): "Der Schatten gewisser unolympischer Praktiken passte nicht zu dem Sonnenschein, der während der Eröffnungsfeier herrschte."
Frankfurter Rundschau (BR Deutschland): "Die Eröffnungsfeier der Spiele der XX. Olympiade im Münchner Olympiastadion am Samstagnachmittag hat in der ganzen Welt ein positives, teilweise sogar überschwengliches Echo gefunden. Das Zweieinhalb-Stunden-Schauspiel begeisterte mit seiner Farbenpracht, musikalischen Beschwingtheit und durch die Leichtigkeit, mit der Förmlichkeit und Steifheit des Protokolls elegant umschifft wurden, nicht nur die 80.000 Zuschauer auf den Rängen, sondern auch rund 800 Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt."
Frankfurter Allgemeine (BR Deutschland): "Das Tagesgespräch galt den Münchner Schulkindern, ihrem Blumengruß an die Sportler der Welt. Eine Welle der Begeisterung rollte durch das Stadion, überdauerte die Nacht, setzte sich fort an den Frühstückstischen der Hotels, der Mensa im Olympischen Dorf, des Presserestaurants."
Die Welt (BR Deutschland): "Diese Spiele wurden mit einem Zeremoniell eröffnet, für das es in der darstellenden Kunst noch keinen Namen gibt. Es war eine Mischung aus Missa solemnis und bayrischem Volkstheater, aus Oratorium und Operette, aus Heiterkeit und Stehkragenpathos. Keine Oper und kein Musical, doch wenn es einen gemeinsamen Nenner haben soll: Pop und Zirkustanz. Olympische Eröffnungen haben das so an sich. Das unumstößliche, von Coubertin geprägte, ölige Zeremoniell liegt stets im Konflikt mit der Folklore des veranstaltenden Landes. Das Ergebnis: permanenter Stilbruch. Der Zuschauer wird drei Stunden durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt und schwankt zwischen Ergriffenheit und Fröhlichkeit. So waren die 80.000 in der Arena am Samstagnachmittag auch überfordert. Sie wussten drei Stunden lang nicht, ob sie im richtigen Anzug erschienen waren, ob auch gelacht werden durfte..."
Süddeutsche Zeitung (BR Deutschland): "Das unheimliche Münchner Glück hat wieder einmal funktioniert: Als ob es vom Olympischen Komitee bestellt und voraushonoriert worden wäre, traf zur Eröffnung das beste Wetter ein, das zu diesem Anlass geliefert werden konnte."
Kicker (BR Deutschland): "Mit dem von Heidi Schüller im Namen aller Teilnehmer gesprochenen Gelöbnis endete am Samstagnachmittag im Olympiastadion die wohl eindrucksvollste und beschwingteste Eröffnungsfeier in der Geschichte moderner Olympischer Spiele. Nimmt man das erste Echo zum Maßstab, dann hat diese Zeremonie in aller Welt die gleiche Begeisterung ausgelöst wie unter den 80.000 Zuschauern in München. Jede einmarschierende Mannschaft wurde mit herzlichem Beifall empfangen. Das farbenfrohe Bild, eine minuziös kappende Organisation, der Hauch von Folklore und Heiterkeit und das auf das notwendige Maß beschränkte Pathos solcher Zeremonien trugen zu diesem ersten großen Erfolg der XX. Olympischen Spiele bei. Zwei Wochen lang wird jetzt die Welt in den Stadien und über die Fernsehsatelliten zu Gast bei den Wettkämpfen in München sein. Wie schön wäre es, wenn dieses Bild heiterer Freude auch in den harten Wettkämpfen bis zum Schlusstag am 10. September anhielte."
tz München (BR Deutschland): "Die Münchner und ihre Gäste aus aller Welt sind 'ganz wild' auf die Olympischen Spiele! Nach der glanzvollen Eröffnungsfeier staunten am strahlend schönen Sonntag die Organisatoren über den Besucher-Andrang. Selbst zu weniger interessanten Vorkämpfen strömten die Zuschauer. Wer befürchtet hatte, die Eröffnungsfeier könnte zu zeremoniell, zu geschwollen oder zu perfektioniert geraten, wurde angenehm enttäuscht. Unter dem wie bestellten weißblauen Himmel lief eine Veranstaltung ab, die so leicht, so beschwingt und trotz aller Feierlichkeit so heiter war, wie man es sich nur wünschen konnte. Wirklich, wir Bayern und Münchner, als die ganz speziellen Gastgeber, brauchen uns nicht zu schämen. Emil Zatopek, der ganz alte Olympia-Hase, sagte mir, als ich ihn ein wenig provozieren wollte: "Nein, das war nicht die gefürchtete deutsche Perfektion. Das war Wärme, das war Gemütlichkeit, das war Bayern!" Ich meine, darauf können wir stolz sein."
Jesse Owens (Olympiasieger 1936 in Berlin): "Es war die größte Show dieser Art, die ich jemals gesehen habe. Es war noch farbenprächtiger als bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko."
Kronprinz Harald (Norwegen): "Es war das schönste Spektakel, das ich je in meinem Leben gesehen habe."
Hans-Jochen Vogel (früherer Münchner Oberbürgermeister): "Die Vorstellung ist meistens schöner als die Wirklichkeit. Diesmal aber war es schöner, als ich es mir je vorgestellt habe."
Willy Brandt (Bundeskanzler): "Ich war überwältigt. Ich habe nie gedacht, dass die olympische Eröffnungsfeier so beeindrucken kann."
Gustav Heinemann (Bundespräsident): "Phantastisch!"
YouTube-Mitglied (Belgien): "This opening ceremony is second to none. Even seen from a modern perspective, 37 years later, Edelhagen's music, the charming choreography (compare this to last year's communist spectacle) and the straight foreward official part are far away from being obsolete. Timeless!"
YouTube-Mitglied (USA): "The modern ceremonies tend to be so much hi-tech Hollywood glitz and nonsense – they are nothing compared to the '72 ceremonies in Munich!"
Thilo Koch: Interview mit Willy Brandt (Flash-Video)