Die Verantwortlichen (Das Organisationskomitee)
"In der Münchner Saarstraße 7 werkelt die seltsamste Managerschar der Welt: Eine kunterbunte Truppe, zusammengewürfelt aus Industrie
und Behörde, ausgeliehen von Staat und Städten. Juristen, Journalisten, Künstler, Beamte, ein Rektor, ein Diplomat und ein Oberstleutnant."
Im Arbeitszimmer des OK-Präsidenten herrschte ein veritables Chaos, das den Hauch der Kreativität atmete: Ein Schreibtisch mit Fahrradpedalen, zwei multifunktionelle Stehpulte, Barhocker, Mobilés, kinetische Spielereien. Während des Fernsehens geriet der Chef auf seinem Ruder-Heimtrainer außer Atem. Weitere Bestandteile von Daumes Büro waren eine Spielzeugampel, eine Packung Tennisbälle, irgendwo im Raum auch die dazu gehörenden Schläger sowie eine körpergerechte Managerliege. Auf dem riesigen Schreibtisch und den Stehpulten stapelten sich Bücher, Briefe und Bilanzen. Im ganzen Büro wimmelte es von Kunst in Form von modernen Wandpostern und Grafiken, einer Bronzeplastik, Keramik und Kristall.
Der beurlaubte Volksschullehrer Siegfried Perrey, seit den fünfziger Jahren als Organisationschef der deutschen Olympiamannschaften im Einsatz, war im Juni 1971 zum Leiter der neu geschaffenen Abteilung Koordination berufen worden. Die Arbeit von Perreys Exekutivausschuss bildete ein dringend benötigtes Regulativ zu den verschiedenen Aktivitäten der zuvor separat vor sich hinwurstelnden 15 Abteilungen, das letztinstanzliche Entscheidungen in sämtlichen Bereichen fällen konnte und somit einen unersetzlichen Beitrag zum Erfolg der Münchner Spiele leistete. Laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" verband Perrey mit Willi Daume "vor allem das schöne Gefühl, des vollen Vertrauens eines so feinen Herrn gewürdigt und von diesem obendrein dringend gebraucht zu werden."
Perreys Feldherrenhügel war die Olympia-Leitzentrale im 4. Stock (siehe Foto), wo alle Informationen über laufende Wettbewerbe zusammenliefen und ausgewertet wurden. Dort fanden auch die Manöverkritik-Sitzungen mit den Abteilungsleitern statt. Die Kommandozentrale des OK beeindruckte mit einer riesigen grünen Schautafel sowie unzähligen Bildschirmen, auf denen die Fernsehübertragungen live mitverfolgt werden konnten. So genannte OK-Beobachter meldeten Verlauf und Ergebnisse der Wettkämpfe sowie besondere Vorkommnisse von den Sportstätten per Fernschreiber direkt an die Leitzentrale. Dort sollte die Arbeit des OK während der Spiele sinnvoll gebündelt werden, doch die wirklich entscheidungsbefugten Personen befanden sich meistens vor Ort an den Wettkampf-Schauplätzen. Somit war die Olympia-Leitzentrale letztlich ein Befehlsstand ohne wirkliche Befehlsgewalt.