Abschied unter dem Regenbogen (Die Schlussfeier)

Terrorwarnung während der Schlussfeier: Ein neues Attentat?

 

 

 

Einzug der Fahnenträger
Seit dem Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft hatte sich das Oberwiesenfeld für die Sicherheitskräfte zu einem Pulverfass entwickelt: Die Gruppe "Schwarzer September" und mehrere arabische Untergrundorganisationen hatten kurz nach den Ereignissen von Fürstenfeldbruck mit blutiger Rache gedroht. Sie verlangten die sofortige Freilassung der drei gefangenen sowie die Überführung der fünf getöteten Attentäter. Auf dem gesamten Olympiagelände herrschte höchste Alarmstufe, mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten waren allgegenwärtig. Die Heiterkeit der ersten Tage hatte aufgehört zu existieren, und ein verunsicherndes Gefühl der Bedrohung lag in der Luft. Olympia atmete schwer unter der Last des Terrors.

 

Linkpfeil Abschied von der Stadt München (Flash-Video)

 

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass die Sicherheitsbehörden gleich mit dem Schlimmsten rechneten, als sich ausgerechnet während der Schlussfeier ein finnisches Passagierflugzeug mit defektem Radar verflogen hatte und ohne offizielle Genehmigung geradewegs auf die bayerische Landeshauptstadt zusteuerte. Da man zunächst von einer Entführung und einem bevorstehenden Anschlag auf die olympische Schlussfeier ausging, wurde Bundesverteidigungsminister Georg Leber informiert. Dieser ließ sofort den Luftraum über München in weitem Umkreis sperren und zwei Abfangjägern den Startbefehl erteilen, die in 2000 Metern Höhe einsatzbereit über dem Olympiastadion kreisten. Doch bald wurde klar, dass von diesem Flugzeug keine Bedrohung ausging, und die Lage entspannte sich wieder.

 

Von diesem Zwischenfall berichtete Joachim Fuchsberger 25 Jahre später in einem Fernsehinterview: „Die Schlussfeier war bereits in vollem Gang. Ich saß oben in meiner Sprecherkabine und bemerkte, dass plötzlich Unruhe herrschte. Ich blickte auf die Ehrentribüne und sah, wie sich die Ränge der Prominenz nach und nach leerten. Irgend etwas schien im Gange zu sein. Da tauchte August Everding am Fenster neben meiner Kabine auf und hielt mir von außen einen Zettel hin. Ich stand von meinem Platz auf und las die erschreckenden Sätze: ‘Nicht identifiziertes Flugobjekt im Anflug auf das Olympiastadion; möglicherweise Bombenabwurf; sag, was du für richtig hältst.’ Damit wurde von mir eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens verlangt: Hätte ich dem Publikum mitgeteilt, dass es so schnell wie möglich das Stadion räumen soll, hätte ich in Kauf nehmen müssen, dass nach all den schrecklichen Ereignissen eine Panik entsteht und Hunderte von Menschen totgetrampelt werden. Deshalb habe ich mich entschieden, einfach nichts zu sagen. Und tatsächlich ist dann ja auch nichts passiert. Gott sei Dank war meine Entscheidung richtig.”