Abschied unter dem Regenbogen (Die Schlussfeier)

Schlussfeier mit schlechtem Gewissen: Gedämpfte Heiterkeit

 

 

 

Olympisches Feuer mit Trompetenbegleitung
„Die Spiele haben heiter begonnen – sie enden ernst.” Mit diesen Worten von Stadionsprecher Joachim Fuchsberger begann die Schlussfeier der Spiele der XX. Olympiade abends um 19.30 Uhr im Olympiastadion. Es war ein ungemütlicher, kühler und windiger Herbstabend. Zu den Klängen von 80 Münchner Bläserbuben folgte der Einzug eines Pferdewagens mit Münchner Schäfflern, laut Bulletin eine Tanzgruppe, wie sie schon im Mittelalter auftrat, "aus Dankbarkeit für die überstandene Pest". Dann zogen die Fahnen der in München verbliebenen 119 Nationen sowie Athleten und Betreuer in das Stadion ein und nahmen in zwangloser Folge hinter den Fahnen Aufstellung. Die Flagge der Bundesrepublik trug der Hockeyspieler Carsten Keller. Bevor Avery Brundage das Podium betrat, wurden die Flaggen Griechenlands, der Bundesrepublik und Kanadas gehisst und die Nationalhymnen gespielt.

 

Es folgte der letzte Auftritt des seit 1952 amtierenden IOC-Präsidenten, der am 30. September 1972 sein Amt an den Iren Lord Michael Killanin übergab. Als letzte Amtshandlung erklärte Avery Brundage die Spiele der XX. Olympiade für beendet und rief die Jugend der Welt auf, sich in vier Jahren in Montreal, Kanada, zu versammeln, um die Spiele der XXI. Olympiade zu feiern. Die folgenden persönlichen Worte richtete er in deutscher Sprache an das Publikum: „Liebe Münchner, Ihre herzliche und liebenswürdige Gastfreundschaft hat uns tief bewegt. Die Tage der strahlenden Freude haben wir zusammen gefeiert, und die schweren Stunden tiefster Dunkelheit haben wir mit Ihnen gemeinsam ertragen. Die Zeit des Abschieds ist gekommen. Wir kehren in unsere Heimat zurück und rufen Ihnen allen zu: Auf Wiedersehen!” Minutenlanger Beifall begleitete den 85-jährigen Amerikaner auf seinem Weg zurück zur Ehrentribüne. Auf der Anzeigetafel des Stadions stand in großen Buchstaben, freilich mit einem Schreibfehler: "Thank you, Avery Brandage".

 

Das Olympiastadion lag im Dunkeln, nur das olympische Feuer brannte noch. Es war genau 20.02 Uhr, als es zum letzten Mal aufflackerte und schließlich unter den wehmütigen Klängen einer Trompete langsam und endgültig erlosch. Dann erhoben sich die Zuschauer, um der Opfer des Anschlags zu gedenken. Bei spärlicher Beleuchtung wurde von den Ruderern des in Mexiko 1968 siegreichen Achters die Olympiaflagge eingeholt und aus dem Stadion getragen. Danach herrschte völlige Dunkelheit.

 

Linkpfeil Avery Brundage: Ansprache und Verabschiedung (MP3-Datei)