Abschied unter dem Regenbogen (Die Schlussfeier)

Trotz allem: Ein versöhnlicher Abschluss

 

 

Trachtengruppen und Regenbogen
Ein riesiger, 130 Meter hoher und 450 Meter langer mit Helium gefüllter Kunststoffschlauch strahlte plötzlich als Regenbogen über dem Stadion, ein Zeichen des Friedens und der Hoffnung. Doch nach den Ereignissen des 5. September fiel es schwer, an die Wirkung solcher Symbole zu glauben. Als kurz darauf die Beleuchtung wieder eingeschaltet wurde, hatten sich 40 bayerische Trachtengruppen im Innenraum des Stadions aufgestellt. Ursprünglich hätten sie tanzen sollen, doch sie blieben mit ernster Miene unbewegt stehen.

 

Fackelträger bildeten eine Lichterkette um das Stadionrund bis zum Marathontor. Unter den Klängen des von der Big Band der Bundeswehr unter Leitung von Günter Noris gespielten "Munich Fanfare March" folgte der gemeinsame Ausmarsch von Athleten, Betreuern und Trachtengruppen aus dem Olympiastadion. Jeder der 80.000 Stadionbesucher hatte ein kleines Lämpchen mitbekommen, um den Teilnehmern damit zuzuwinken. Doch die Ränge glühten nicht, sie flimmerten nur, was aber der allgemeinen Stimmung entsprach. Einige Grüppchen von Sportlern begannen dann doch noch ausgelassen zu tanzen, wie man es sich für die Schlussfeier eigentlich gewünscht hatte. Doch sie blieben in der Minderheit.

 

Die so hoffnungsvoll begonnenen und vom Terror so grausam heimgesuchten Olympischen Spiele von München hatten einen angemessenen, einen versöhnlichen Abschluss gefunden. Und irgendwie war bei jedem ein Gefühl der Erleichterung spürbar, dass nun alles vorbei war.

 

Linkpfeil Big Band der Bundeswehr: Munich Fanfare March (MP3-Datei, 951 KB)

 

Ein Jahr später verlieh das Internationale Olympische Komitee dem Münchner Publikum den Cup Olympique, die höchste vom IOC vergebene Ehrung, für sein äußerst faires Auftreten während der Olympischen Spiele 1972.

 

Eine erwähnenswerte Begebenheit am Rande: Avery Brundage fand nach den Olympischen Spielen in Bayern sein Glück. Der alte Herr und Witwer ehelichte im Juni 1973 die 36-jährige Marianne Prinzessin von Reuß, die er als Olympia-Hostess kennengelernt hatte, vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" respektlos als "angeheiratete Mischpoke aus deutschem Bagatelladel" bezeichnet. Brundage starb am 8. Mai 1975 in Garmisch-Partenkirchen.

 

Willi Daume, der bedeutendste und einflussreichste deutsche Sportfunktionär des 20. Jahrhunderts, von 1972 bis 1976 IOC-Vizepräsident, wäre am 16. Juli 1980 möglicherweise zum IOC-Präsidenten gewählt worden, wenn nicht der Boykott der Moskauer Spiele durch den Westen zuvor all seine Chancen zunichte gemacht hätte. So unterlag er aussichtslos dem Spanier Juan Antonio Samaranch, den er später als "pathosbefrachteten Machtpolitiker ohne intellektuelles Verständnis" bezeichnete. Der charismatische Daume, bis 1992 NOK-Präsident, war Besitzer einer Eisengießerei im Dortmunder Hafen, die ihm jedoch auf seine alten Tage wenig Glück brachte: Im Jahr 1993 musste er Insolvenzantrag stellen. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er verarmt in einer kleinen Wohnung im Olympischen Dorf in München, die man ihm zur Verfügung gestellt hatte. Er starb am 20. Mai 1996.

 

 

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